29.04.2014, 22:50 Uhr

Emil schreibt Briefe, die irgendwann einmal auftauchen, versteckt zwischen Büchern, unter Blumentöpfen oder auch vergraben im Garten. Sie sind wie kleine Schätze, auf die man wartet, bis man sie zufällig findet. Nach ihnen zu suchen wäre Unsinn, es ist nicht das Ziel. Diesen habe ich auf dem Dachboden gefunden in einer alten und verstaubten Kiste.

“Ich glaube, ich habe das richtige Atmen verlernt. Wie man lacht, ohne dazu gezwungen auszusehen. Laut genug zu reden, ohne nuscheln, ohne jede Schüchternheit, dass es falsch ist, was ich sage. Ich habe verlernt zu strahlen und zu scheinen, zu schreien, dass mir die Kehle brennt. Wenn ich denke, ich bin so weit, endlich zu schreien, kommt nur ein kläglicher Ton aus mir, wie bei einer Katze, der man auf die Pfote tritt. Das ist alles. Wann hört es auf, dass dieser Tresor in mir existiert und jedes Geheimnis gut verschlossen zwischen Wänden aus Stahl aufbewahrt. Ich kann nichts dafür. Nur die kleine Stimme in mir fordert mich auf. Ich weiß nicht, ob das hier das ist, was ich niederschreiben wollte und meine Gefühle deutlich macht. Meine Gefühle sind zusammengematschter Mist, der keinen Sinn ergibt. Einfach Wort für Wort aneinandergereiht, ohne jegliche Bedeutung, weil nichts mich oder meine Gedanken beschreibt."

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